POWER OF SUSTAINIBILITY

EFFIZIENT UND NACHHALTIG

Das neue Waste-to-Energy-Kraftwerk in Sandersdorf-­Brehna ist ein zentraler Baustein für die ­konsequente Nachhaltigkeitsstrategie von Progroup. Zahlreiche ­technologische Innovationen und der klare Fokus auf die Kreislaufwirtschaft sorgen für neue Maßstäbe bei der Papierproduktion.

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Im Sommer 2025 hat Progroup begonnen, die Energieerzeugung für die Papiermaschine (PM3) am ­Progroup-Standort Sandersdorf-Brehna zu übernehmen. Der erfolgreiche Abschluss einer mehr als ­vierjährigen Planungs-, Bau- und Testphase, die von einem hochmotivierten Team um Projektleiter Jan-Simon Liedtke und seinem Produktionsleiter Thomas Jänisch begleitet wurde. „Mit dem Kraftwerk, das mit Ersatzbrennstoffen betrieben wird, können wir den gesamten Dampfbedarf der PM3 decken und somit den fossilen Energie­träger (Erdgas) zu 95 Prozent mit nachhaltigen Ersatzbrennstoffen ersetzen. Dadurch kommen wir unserem Ziel, möglichst unabhängig von fossilen Brennstoffen zu sein, einen großen Schritt näher“, freut sich Liedtke.

Perfekte Planung sorgt für problemlosen Start

Im Mai 2025 konnte das Team um Liedtke mit der heißen Inbetriebnahme starten. Dabei handelte es sich um einen Erprobungsbetrieb, bei dem die Anlage immer wieder abgeschaltet und nachjustiert wird. „Anschließend sind wir in den Probebetrieb eingestiegen. Erst wenn dieser 28 Tage am Stück problemlos läuft, darf man das Kraftwerk in Betrieb nehmen“, erklärt Liedtke.

Die thermische Leistung des Kraftwerks liegt laut Thomas Jänisch bei 115 Megawatt, davon werden 7,5 Megawatt aus Biogas, das in der Kreislaufwasserbehandlungsanlage der Papiermaschine entsteht, gewonnen. Der Rest wird mit Hilfe von Ersatzbrennstoffen produziert. Den externen Gasanschluss braucht man nur noch, um das Kraftwerk zu starten oder wenn der Brennstoff-Mix nicht den gewünschten ­Spezifikationen entspricht. „Wir haben hier in Sandersdorf das größte Waste-­to-Energy-Kraftwerk seiner Art in Europa. Es ist exakt auf unsere Papiermaschine abgestimmt und deckt den Bedarf der PM3 zu 100 Prozent“, so Jänisch stolz.

Doch damit nicht genug: Das neue Kraftwerk wird aufgrund seiner geschlossenen Kreislaufwirtschaft am Standort nachhaltiger. Reststoffe aus der Papierfabrik haben einen hohen biogenen Anteil, liefern dadurch nachhaltige Wärme und rund 60 Gigawattstunden Grünstrom pro Jahr.

Ausschlaggebend ist das Design des Standorts. Die Klärschlämme aus der Kreislaufwasserbehandlung werden über eine kurze Rohrbrücke von der Papiermaschine ins Kraftwerk geleitet. Und auch die Abfälle aus der Papier-fabrik, die sogenannten Rejekte, bleiben am Standort und müssen nicht mehr extern entsorgt werden. Zudem setzt Progroup auf einen nachhaltigen Brennstoff-Mix. 50 Prozent der Brennstoffe stammen aus biogenen Materialien.

Der Bau des neuen Waste-to-Energy-Kraftwerks in Sandersdorf-Brehna ist ein weiterer wichtiger Meilenstein für Progroup auf dem Weg zur lückenlosen Kreislaufwirtschaft.

Produktionsablauf

Innovationen verbessern Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit

Eine wichtige Grundlage für die Ausstattung der neuen Anlage waren die zahlreichen Erfahrungen mit dem ersten Waste-to-Energy-Kraftwerk in Eisenhüttenstadt. Zusammen mit den neuen technologischen Möglichkeiten haben sie zu wichtigen Innovationen geführt. Bei der stationären Wirbel-schicht liegt der Quarzsand auf dem Boden und wird mit Hilfe von Gas einmalig auf eine Temperatur von 850 Grad gebracht. Ist die Temperatur erreicht, wird der Ersatzbrennstoff in den Kessel eingeblasen. Er wird durch den Quarzsand erwärmt und erhitzt dann seinerseits wieder den neu eingeblasenen Ersatzbrennstoff. Der Ersatzbrennstoff wird dadurch in -kürzester Zeit zu 99,9 Prozent thermisch verwertet, die restliche Kleinstmenge wird mit dem Sand als Asche gebunden. „Das funktioniert wie ein Perpetuum Mobile, ist die Betriebstemperatur einmal erreicht, brauchen wir keine Gasunterstützung mehr“, erläutert Liedtke.

Ein weiterer Fortschritt ist die hohe Verfügbarkeit der Anlage. In nur 13 Stunden kann das neue Kraftwerk hoch- oder heruntergefahren werden. Ausschlaggebend dafür ist die wassergekühlte Brennkammer, die im Gegensatz zu ausgemauerten Brennkammern schneller abkühlt. Zudem muss die Ausmauerung nicht vor jeder Revision abgetragen und danach wieder aufgebaut werden. „Bei herkömmlichen Anlagen dauert die Revision rund sechs Wochen, bei uns in der Regel nur vier. Eine Ersparnis von zwei Wochen pro Jahr, das ist enorm“, ist Jänisch begeistert.

Ebenso entscheidend für den nach-haltigen Betrieb des Kraftwerks in -Sandersdorf-Brehna sind der geschlossene Wasser-Dampf-Kreislauf, mit dem das aufbereitete Kesselanlagenwasser auch beim Produktionsstopp der Papier-maschine im System bleibt, sowie die Rauchgasreinigung. Auch hier arbeite Progroup mit der leistungsfähigsten Anlage dieser Art, die auf dem Markt verfügbar ist. Laut Liedtke entspricht das exakt der Unter-nehmens-philo-sophie, die Jürgen Heindl von Beginn an formuliert hat: „Investition und Innovation sind Geschwister, die untrennbar zusammen-gehören.“

Imposante Architektur, ­herausragende Technologie, durchdachte Logistik: Das neue Progroup-Kraftwerk setzt in jeder Hinsicht neue Maßstäbe.

Produktionsablauf

Verlässlicher Partner in der Region

Ein wichtiger Aspekt bei der Planung des neuen Energy-to-Waste-Kraftwerks war der Beitrag, den es für den -Wirt-schaftsstandort leisten kann. Zum einen stellt Progroup den -umliegenden Kommunen damit zusätzliche Kapazitäten zur Verfügung, um nicht verwertbare Reststoffe thermisch zu behandeln. Und zum anderen ist das Kraftwerk so ausgelegt, dass es perspektivisch über einen Fernwärme-anschluss neue Gewerbe- und Indus-triebetriebe versorgen kann. „Das ist unser Verständnis von einer vernetzten Standortentwicklung“, sagt Liedtke.

Unabhängig davon planen Liedtke und Jänisch schon jetzt die nächsten Entwicklungsschritte, um die CO₂-neutrale Produktion weiter -voranzutreiben. Ein perspektivisches Vorhaben ist die Installation einer CO₂-Abscheideanlage „Derzeit ist der Zeitpunkt für eine umfassende Umsetzung noch nicht ideal. Aber die Entwicklung neuer Technologien und Pilotanlagen schreitet rasant voran. Wir verfolgen diese sehr aufmerksam“, so Liedtke. „Sobald die Rahmenbedingungen stimmen, sind wir bereit, gezielt zu investieren und die nächsten Schritte zu gehen.“ Auch das entspricht zu 100 Prozent dem Selbstverständnis von Progroup.