Gemeinsam Kurs Halten

Ein Jahr gemeinsam im Vorstand von Progroup: Maximilian und Vinzenz Heindl haben in einer herausfordernden Zeit wichtige Impulse für die Zukunft gesetzt. Im Interview sprechen die ­Brüder über ihre Erfahrungen in der Unternehmensführung, ihre Ziele für das Familienunternehmen und die Chancen, die sie für Progroup sehen.

Ihr erstes gemeinsames Jahr im Vorstand fiel in eine Phase hoher Dynamik. Wie haben Sie diese Zeit persönlich erlebt?

Maximilian Heindl (MH): Sie war von einem anspruchsvollen Marktumfeld geprägt, das wir gut gemeistert haben. Gleichzeitig haben uns diese Herausforderungen ermutigt, wichtige Weichen für die Zukunft zu stellen. Die klare Aufgabenverteilung im Vorstand hat uns dabei geholfen, Verantwortung gezielt zu übernehmen und Entscheidungen schnell zu treffen. So konnten wir die Organisation weiterentwickeln, unsere Zusammenarbeit stärken und zentrale strategische Themen auf den Weg bringen. Insgesamt war es ein herausforderndes, aber zugleich sehr erfolgreiches Jahr.

Vinzenz Heindl (VH): Für mich war der Einstieg in den Vorstand eine spannende Aufgabe und eine große Verantwortung. Dass wir unsere Rollen von Beginn an klar definiert haben, war dabei ein entscheidender Erfolgsfaktor. Während Maximilian den Fokus auf die übergreifende Unternehmenssteuerung legt, verantworte ich Markt, Kunden und Vertrieb. So können wir schnell handeln, nah an unseren Kunden bleiben und wichtige Impulse für die Weiterentwicklung unseres Geschäfts setzen. Gerade in einem dynamischen Marktumfeld sind klare Verantwortlichkeiten und eine enge Abstimmung entscheidend. Deshalb blicke auch ich sehr positiv auf dieses Jahr zurück.

Sie beide sind nicht nur Vorstands­kollegen, sondern auch Brüder. Wie ­gelingt es Ihnen, im Vorstand eng ­abgestimmt zu arbeiten und gleichzeitig genügend Raum für die strategischen Themen und darüber hinaus zu schaffen?

MH: Ein Vorteil ist sicherlich, dass der gesamte Vorstand zusammen in einem Büro arbeitet. Dadurch ergeben sich viele Abstimmungen ganz selbstverständlich im Alltag. Natürlich haben wir auch feste Jour-fixe-Termine, aber vieles klären wir direkt und ohne lange Wege. Das sorgt für schnelle Entscheidungen und einen kontinuierlichen Austausch.

VH: Gleichzeitig schaffen wir uns ganz bewusst Freiräume für die langfristigen Themen. Zweimal im Jahr ziehen wir beide uns aus dem Tagesgeschäft zurück und fragen uns: Sind wir noch auf dem richtigen Kurs? Welche Entwicklungen zeichnen sich ab? Und wo müssen wir heute die Weichen für die nächsten Jahre stellen? Diese Gespräche sind für uns besonders wertvoll.

MH: Unsere gemeinsamen Wanderungen, über die wir schon einmal in einer früheren PROfil Ausgabe gesprochen haben, sind für uns nach wie vor wichtig. Dort sind wir nicht als Vorstände miteinander unterwegs, sondern als Brüder.

VH: Diese Auszeiten erinnern uns daran, dass wir nicht nur gemeinsam Verantwortung für Progroup tragen, sondern auch füreinander. Beides gehört für uns zusammen. An diesen Tagen sprechen wir auch, aber nicht nur, über Progroup. Oft geht es um Familie, Technologie, Wissenschaft oder ganz andere ­Themen. Genau das macht diese Zeit so wertvoll.

Sie haben unterschiedliche Verantwortungsbereiche und bringen ­unterschiedliche Stärken mit. Was schätzen Sie jeweils am Führungsstil des anderen?

MH: Wir profitieren sehr von unserer Unterschiedlichkeit. Vinzenz bringt enorme Energie und einen ausgeprägten Gestaltungswillen mit. Er geht offen auf Menschen zu, erkennt Chancen und schafft es, andere für neue Ideen zu begeistern. Diese Dynamik ist eine große Bereicherung, gerade in einem Markt, der sich ständig verändert.

VH: An Maximilian schätze ich seine Ruhe und seine Klarheit. Er trifft Entscheidungen sehr überlegt und gibt auch in anspruchsvollen Situationen Sicherheit. Er hört genau zu, wägt unterschiedliche Perspektiven sorgfältig ab und verliert dabei nie das langfristige Ziel aus den Augen. Diese Besonnenheit gibt Orientierung und schafft Vertrauen.

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„Kooperation eröffnet Chancen und funktioniert nur auf Basis von Vertrauen. Wir verstehen sie nicht als Reaktion auf Herausforderungen, sondern als aktiven Hebel für Wachstum und Zukunftsfähigkeit.“

Vinzenz Heindl

Vinzenz, bleiben wir bei Ihrer Rolle als CSO: welche Herausforderungen und Chancen haben Sie in Ihrer ersten Zeit erlebt und wo konnten Sie neue Akzente setzen?

VH: Mein Einstieg fiel in eine Phase, in der sich das Marktumfeld deutlich eingetrübt hatte. Gerade in einer ­solchen Situation ist es wichtig, den Fokus zu behalten und nah an den Kunden zu sein. Deshalb war es mir von Beginn an wichtig, die Markt- und Kundenperspektive noch stärker in die Entscheidungen ein­zubringen und gemeinsam mit den Teams schnell auf veränderte Rahmenbedingungen zu reagieren. Wir haben unsere Vertriebsaktivitäten konsequent weiterentwickelt, die Zusammenarbeit mit unseren Kunden intensiviert und unsere Marktpräsenz weiter gestärkt. Dass sich unsere Auftragseingänge in diesem anspruchsvollen Umfeld stabilisiert haben, zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

Die Zehnjahresstrategie von Progroup „Two Twentyfive“ wurde 2025 ab­geschlossen. Welche Schwerpunkte werden Sie in den kommenden Jahren setzen?

MH: Mit unserer Zehnjahresstrategie „Two Twentyfive“ haben wir Progroup erfolgreich weiterentwickelt. Gleichzeitig hat sich das wirtschaftliche Umfeld in den vergangenen Jahren ­deutlich verändert. Märkte verändern sich heute schneller, Anforderungen ­werden komplexer und Unternehmen müssen flexibler reagieren.

Deshalb setzen wir mit „Next Level“ bewusst auf ein dreijähriges Ent­wicklungsprogramm. Es geht dabei nicht um einen grundlegenden Richtungswechsel, sondern darum, die Vor­aussetzungen für den nächsten Entwicklungsschritt zu schaffen. Wir investieren gezielt in leistungs­fähige Prozesse, eine widerstands­fähige ­Organisation und eine noch ­engere Zusammen­arbeit entlang ­unserer Wertschöpfungskette. Gleich­zeitig richten wir unser Handeln ­konsequent an den ­Bedürfnissen ­unserer Kunden aus. Wachstum bleibt für uns ein zentrales Ziel. Dafür braucht es ein stabiles ­Fundament.

Vinzenz, Begriffe wie „Power of ­Cooperation“ prägen die Kommuni­kation von Progroup. Woran zeigt sich im Alltag, dass solche Begriffe mehr sind als nur Leitbilder?

VH: Für mich zeigt sich Power of ­Cooperation überall dort, wo ­Zusammenarbeit mehr schafft, als jeder ­Einzelne allein erreichen könnte. Das ­beginnt innerhalb unseres Unternehmens: Unsere Prozesse greifen über Bereiche, Funktionen und Standorte hinweg ineinander. Nur wenn alle ihren Beitrag leisten und gut zusammenarbeiten, können wir zuverlässig und erfolgreich sein. Gleichzeitig leben wir diesen Gedanken auch mit unseren Kunden, Lieferanten und Partnern. Ein gutes Beispiel dafür sind unsere Verpackungspark-Modelle. Sie heben die Zusammenarbeit auf eine neue Stufe, indem sie Prozesse eng miteinander verzahnen und so für alle Beteiligten Mehrwert schaffen.

Viele familiengeführte Unternehmen sind regional sehr erfolgreich, stoßen bei großen Auftragsvolumen jedoch an Grenzen. Kooperation eröffnet hier Chancen: gemeinsam können wir Kompetenzen bündeln und dadurch Märkte erschließen, die für einzelne Unternehmen schwer zugänglich wären. Deshalb verstehen wir ­Kooperation nicht als Reaktion auf Herausforderungen, sondern als ­aktiven Hebel für Wachstum und Zukunfts­fähigkeit.

Eine wichtige Rolle spielt hier auch die Professionals Academy, die ­unabhängige Wissens- und Netzwerkplattform für Familienunternehmen der Verpackungsbranche.

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„Unser Anspruch ist es, Progroup so weiterzuentwickeln, dass das Unternehmen auch in zehn oder zwanzig Jahren noch zu den Marktführern unserer Branche gehört.“

Maximilian Heindl

Sie haben gerade beschrieben, wie ­Zusammenarbeit Zukunft schafft. Ihr Vater, Progroup-Gründer Jürgen Heindl, nutzt oft den Begriff der „­Enkelfähigkeit“. Welche Bedeutung hat das heute für Sie?

MH: Enkelfähigkeit bedeutet für uns, wirtschaftlichen Erfolg und langfristige Verantwortung miteinander zu verbinden. Natürlich müssen wir unsere Ziele heute erreichen. Gleichzeitig treffen wir Entscheidungen so, dass sie auch in zehn oder zwanzig Jahren noch Bestand haben. Als Familienunternehmer verstehen wir uns dabei nicht als Verwalter eines kurzfristigen Erfolgs, sondern als Treuhänder des Unternehmens. Wir haben die Verantwortung übernommen, ­Progroup in einem starken Zustand an die nächste Generation weiterzugeben. Dieses Denken prägt unseren Blick auf Chancen ebenso wie auf ­Risiken. Dazu gehört auch die Verantwortung für die Menschen, die Progroup ausmachen. Langfristiger ­Erfolg entsteht durch engagierte Mitarbeiter, die ihr Wissen, ihre Erfahrung und ihre Ideen einbringen. Deshalb investieren wir in ihre Entwicklung und schaffen ein Umfeld, das von ­Vertrauen und Wertschätzung geprägt ist. Denn enkelfähig zu handeln heißt für uns als Familienunternehmer nicht nur, im Sinne der eigenen ­Familie zu denken. Es bedeutet, Verantwortung für unsere Mitarbeiter, unsere Kunden, unsere Partner und die Generationen zu übernehmen, die nach uns kommen.

Ihr Vater ist auch nach seinem ­ope­rativen Ausscheiden als Unternehmer aktiv. Welche Bedeutung hat sein ­Engagement für Sie?

VH: Für mich ist es ein großes Privileg, auf diesen Erfahrungsschatz zurückgreifen zu können. Ich habe über viele Jahre erlebt, mit welcher Klarheit, Weitsicht und unternehmerischen Konsequenz unser Vater ­Progroup aufgebaut hat. Bis heute ist er für uns ein wichtiger Sparringspartner. Nicht, weil er uns vorgibt, welchen Weg wir gehen sollen, sondern weil er mit den richtigen Fragen und neuen Perspek­tiven Denkanstöße gibt. Das hilft uns, Entscheidungen immer wieder kritisch zu hinterfragen.

MH: Unser Vater war schon immer ein Visionär. Das ist er bis heute. Mit ­seinen Ideen hat er vor über 30 Jahren die Branche nachhaltig verändert. Heute richtet sich sein Blick auf die Zukunft des familiengeprägten Mittelstands in unserer Branche insgesamt. Er beschäftigt sich mit der Frage, wie Familienunternehmen auch in Zukunft wettbewerbsfähig bleiben ­können. Ich finde es beeindruckend, mit welcher Leidenschaft und welchem Gestaltungswillen er diese Themen weiterhin vorantreibt. Das zeigt, dass Unternehmertum für ihn nie nur eine Aufgabe war, sondern eine Haltung.

Zum Abschluss ein Blick nach vorn: Woran würden Sie in einigen Jahren festmachen, dass Progroup weiterhin erfolgreich ist?

VH: Wenn unsere Kunden uns auch in Zukunft als den Partner sehen, mit dem sie wachsen und Veränderungen erfolgreich gestalten können und wollen. Und wenn es uns gelingt, unser europäisches Netzwerk so weiterzuentwickeln, dass daraus für alle Beteiligten ein echter Mehrwert entsteht.

MH: Wenn wir zeigen, dass langfristiges Denken und wirtschaftlicher ­Erfolg kein Widerspruch sind. Unser Anspruch ist es, Progroup so weiterzuentwickeln, dass das Unternehmen auch in zehn oder zwanzig Jahren noch zu den Marktführern unserer Branche gehört: innovativ, verlässlich und mit einer klaren Haltung.

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