POWER OF ITALY
WACHSTUMSMOTOR MITTELSTAND
Die Verpackungsindustrie trägt wesentlich zum italienischen Bruttoinlandsprodukt bei. Ihre Besonderheit: Knapp die Hälfte des Umsatzes wird von kleinen und mittleren Unternehmen erwirtschaftet. Nach einer kleinen Delle im Jahr 2023 ist die Branche jetzt wieder auf Wachstumskurs.


Andrea Mecarozzi, Präsident des italienischen Verbandes der Kartonagenhersteller, lobt die Innovationskraft, Flexibilität und Kundennähe der Unternehmen.
Die Struktur des italienischen Kartonverpackungsmarktes ist einzigartig in Europa. Circa 300 kleine und mittelgroße Hersteller über das ganze Land verteilt prägen das Gefüge. „Diese Unternehmen zeichnen sich durch Innovationskraft, Flexibilität, Kundennähe und einen starken Servicegedanken aus. Und sie sind in der Regel familiengeführt“, sagt Andrea Mecarozzi, Präsident der Associazione Italiana Scatolifici, dem italienischen Verband der Kartonagenhersteller. Diese Stärken, so Mecarozzi, spiegeln die typischen Merkmale italienischer KMUs wider. Sie setzen konsequent auf Tradition und Innovation.
Zweitgrößter Markt für Kartonverpackungen in Europa
Italien ist nach Deutschland der zweitgrößte Markt für Kartonverpackungen in Europa. Im Jahr 2023 wurden rund 5,5 Millionen Tonnen Verpackungen aus Zellulose mit einem Gesamtwert von 9,9 Milliarden Euro auf den Markt gebracht. Das entspricht etwa einem Viertel des Marktvolumens der gesamten Verpackungsindustrie. Nach einem kräftigen Wachstum von rund 15 Prozent im Jahr 2022 verzeichnete der Markt für Kartonverpackungen 2023 einen leichten Rückgang von etwa 5 Prozent. 2024 war der italienische Wellpappmarkt jedoch wieder im Aufwind.
Steigende Kosten und neue EU-Verordnung als Herausforderungen
Die Unternehmen blicken zwiegespalten in die Zukunft. Laut einer Umfrage der Associazione Italiana Scatolifici erwarten viele im Jahr 2025 Stabilität oder leichtes Wachstum. Sorgen machen der Branche allerdings die geopolitische Situation, steigende Energiepreise und Materialkosten sowie die Herausforderung, qualifiziertes Personal zu finden. Zusätzlich wird die Einführung der neuen
EU-Verordnung für Verpackungen und Verpackungsabfälle (PPWR) die Rahmenbedingungen grundlegend verändern. Sie ist bereits im Februar in Kraft getreten und soll nach einer Übergangsfrist von 18 Monaten ab August 2026 allgemein angewendet werden.
Nachhaltigkeit als Wachstumstreiber
Auch in Italien ist die Umweltfreundlichkeit von Wellpappe ein entscheidender Wachstumstreiber. Mit einer Recyclingquote von 92,5 Prozent im Jahr 2024 übertreffen die italienischen Firmen die europäischen Zielvorgaben, die bis 2030 erreicht werden sollen, schon jetzt deutlich. Verpackungen aus Wellpappe ersetzen darüber hinaus in vielen Branchen bereits andere Materialien – vor allem Kunststoffe.„Laut neuesten Zahlen des italienischen Verpackungsinstituts machen Verpackungen aus Zellulose etwa 32 Prozent des Marktes aus. Sie stellen damit den größten Part unter allen Verpackungsmaterialien, gefolgt von Glas“, resümiert Mecarozzi.
Ein weiterer Trend ist Eco-Design, also Verpackungslösungen, die Material einsparen und gleichzeitig maximale Schutzfunktionen bieten. Diese Verpackungen sollen maßgeschneidert und leicht sein und den Abfall auf ein Minimum beschränken.
Digitalisierung, modernste Produkte und künstliche Intelligenz
Auch die Digitalisierung und Industrie 4.0 spielen eine immer größere Rolle. Automatisierte Verpackungslinien, intelligente Verpackungen und Active Packaging, die Stoffe an das verpackte Lebensmittel abgeben oder ihm entziehen, um die Haltbarkeit zu verlängern und dessen Qualität zu erhalten, sind auf dem Vormarsch. „Das sind wichtige Innovationen vor allem für Italiens Agrar- und Lebensmittelindustrie, die hochwertige Produkte in alle Welt exportiert“, sagt Mecarozzi.
Kooperationen als Zukunftsstrategie
„Darüber hinaus sind sich unsere Mitglieder zunehmend bewusst, dass Vernetzung und Zusammenarbeit unserer Unternehmen von essenzieller Bedeutung sind. Denn die Entwicklung von Synergien in der Verpackungsbranche wird immer mehr zu einem Wettbewerbsvorteil werden“, so Mecarozzi. Kooperationsmodelle wie die Verpackungsparks von Progroup, in denen Wellpapp-Produktion und Weiterverarbeitung eng verzahnt sind, sind seiner Meinung nach daher besonders innovativ und gewinnen weiter an Bedeutung. „Ich glaube, dass der neue Verpackungspark in Cessalto mit seiner enormen Produktionskapazität positive Auswirkungen auf ganz Norditalien haben wird. Wir sind gespannt und freuen uns auf die weiteren Entwicklungen, die dadurch angestoßen werden“, zeigt sich Andrea Mecarozzi optimistisch.